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Neuheiten der Woche auf alleskino: argentinisch-deutsches Kino der Regisseurin Jeanine Meerapfel

An Allerheiligen gedenken die Gläubigen allen Heiligen – auch denen, die vielleicht nie als solche in die Geschichte eingegangen sind. Passend zum langen Wochenende und zum fortschreitenden Herbst, gibt es bei alleskino Filme zum Anschauen und Nachdenken. Filme der deutsch-argentinischen Regisseurin Jeanine Meerapfel. Geschichten über Menschen, ihr Verschwinden, ihre Schicksale, und ihren Lebenswillen.

Desembarcos_es gibt kein Vergessen

Jeanine Meerapfel, die 1943 als Kind deutsch-jüdischer Flüchtlinge in Buenos Aires, Argentinien, geboren wird, kehrt als Studentin nach Deutschland zurück. Sie ist beiden Ländern in ihren Film tief verbunden und guckt dahin, wo es weh tut. Viele ihrer Filme beschäftigen sich mit dem Leben zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur (1976 bis 1983). Viele andere ihrer Filme spielen in Deutschland und drehen sich um eine Identitätssuche der multikulturellen Hauptfiguren – mal humorvoll, mal schmerzhaft, mal magisch.

Die Kümmeltürkin geht von 1985 ist ein Dokumentarfilm über Melek Tez, eine resolute Türkin, die sich bei ihrer Ausreise aus Deutschland nun vor die gleichen bürokratischen Schranken gestellt sieht wie bei ihrer Einreise. In langsamen, humorvollen Bildern, mit Ironie und spannendem Material aus den 80er Jahren porträtiert Jeanine Meerapfel Melek, die nach 14 Jahren Deutschland den Kampf um Akzeptanz und Verständnis aufgibt.

Die_Kuemmeltuerkin_geht

https://www.alleskino.de/filme/dokumentarfilme/die-kuemmeltuerkin-geht-1985.html

La Amiga von 1988 ist ein Spielfilm, der ins Jahr 1976 nach Argentinien führt – den Beginn der Militärdiktatur. Zwei Frauen gehen ihre ganz persönlichen Wege durch diese Zeit. Die norwegische Schauspielerin Liv Ullmann, unvergesslich aus ihren Filme mit Ingmar Bergmann, spielt Maria, deren Sohn von der Militärjunta verschleppt wird. Ihre Freundin Raquel bemüht sich, ihr zu helfen – gerät dabei aber selbst ins Visier der Machthaber. Sie flieht nach Berlin, die Stadt, aus der einst ihre Eltern vor dem Naziregime nach Argentinien flüchteten. Ein sehr persönlicher Film Jeanine Meerapfels, in dem es neben der Auseinandersetzung mit den Geschehnissen um Fragen nach Aufarbeitung und Vergessen geht. 1989 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

La Amiga

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/la-amiga-1988.html

1989 setzt sich Jeanine Meerapfel in einem Dokumentarfilm erneut mit der Militärdiktatur auseinander. In Desembarcos – es gibt kein Vergessen erhält die Figur Raquel, die in La Amiga am liebsten alles aus ihrem Gedächtnis streichen möchte, gewissermaßen eine Antwort. In einem Regieworkshop in Buenos Aires versammelt die Filmemacherin von 1986-1989 junge Künstler, die zu großen Teilen mit ihren Familien die Militärdiktatur selbst erlebt haben. Jeanine Meerapfel dokumentiert die entstehenden Arbeiten und führt Interviews mit den Teilnehmern. Immer wieder geht es auch um die Frage – wann ist es heilsamer, zu vergessen?

Desembarcos

https://www.alleskino.de/filme/dokumentarfilme/desembarcos-es-gibt-kein-vergessen-1989.html

Mit Amigomío folgt 1995 ein Spielfilm, der von Argentinien durch die Anden bis nach Ecuador führt. Vater und Sohn müssen Argentinien Hals über Kopf verlassen, nachdem die Mutter vom Militär verschleppt wurde. Eine abenteuerliche Reise durch Südamerika beginnt, auf der sie Legenden und Mythen der indianischen Kultur begegnen. Nach den Hochebenen Boliviens und dem Urwald Ecuadors kommen sie in Quito an. Während der achtjährige Amigomío sich in Ecuador bald heimisch fühlt, kann sein Vater Carlos die Vergangenheit nicht überwinden und klammert sich an seine argentinischen Wurzeln.

Amigomio

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/amigomio-1995.html

Anna ist 45 und Fotografin. Nach dem Tod ihres Mannes reist sie nach Griechenland, um das Haus ihrer griechischen Familie zu übernehmen. Bürokratische Probleme zwingen sie auf der Suche nach Dokumenten an eine alte Familientruhe. Aus dieser entsteigen schließlich wortwörtlich die Geister der Vergangenheit. Annas Sommer von 2001 ist die Liebesgeschichte eines griechischen Sommers. Erinnerung, Familie, Abschied und die Veränderungen des Lebens begleiten die besondere Reise einer besonderen Frau.

Annas Sommer

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/annas-sommer-2001.html

In Mosconi – oder wem gehört die Welt von 2007 begibt sich Jeanine Meerapfel in eine kleine nordargentinische Stadt. In Mosconi arbeiten 95 Prozent der Bevölkerung für den staatlichen Erdölkonzern – bis dieser privatisiert wird. Danach sind 70 Prozent der Bevölkerung arbeitslos. Im Rahmen eines Filmseminars, welches das Goethe-Institut organisiert, entsteht dieser Dokumentarfilm. In der neu gegründeten Union Arbeitsloser Arbeiter in Mosconi organisieren sich die Menschen und bemühen sich um einen eigenständigen Wiederaufbau der Infrastruktur. Sie bieten Umweltzerstörung und Verarmung die Stirn. Ideenreich und zunehmend taktisch schaffen sie ein zukunftsträchtiges Modell für Überleben und Gemeinschaft.

Mosconi

https://www.alleskino.de/filme/dokumentarfilme/mosconi-oder-wem-gehoert-die-welt-2007.html

alleskino wünscht viel Freude und gute Gedanken beim Stöbern in Jeanine Meerapfels Werk und dem Nachspüren deutsch-argentinischer Geschichte.

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