alleskino - Online Videothek für den deutschen Film

Archiv für 28. August 2013

Neuheiten der Woche auf alleskino: Literatur und Film

Literaturverfilmungen kennen die meisten von uns wohl noch aus dem Deutschunterricht in der Schule. Meist waren sie das letzte, verzweifelte Mittel des beflissenen Deutschlehrers, um die pubertierenden Schüler zum Beispiel für Goethe und Schiller zu begeistern.

Einen etwas anderen Zugang zu Goethes Werk “Wilhelm Meisters Lehrjahre” bietet Wim Wenders‘ Film Falsche Bewegung mit Rüdiger Vogler und Hanna Schygulla in den Hauptrollen. Wenders orientierte sich nur grob an der literarischen Vorlage und zeigt, ganz im Sinne des Neuen Deutschen Films, eine authentische und unverfälschte Version eines angehenden Künstlers, dessen Reise quer durch Deutschland ihn für immer prägen wird.

FalscheBewegung_poster

https://www.alleskino.de/falsche-bewegung-1975.html

 

Schön nostalgisch ist hingegen die Heinz-Rühmann-Komödie Lumpacivagabundus, in der Rühmann neben Paul Hörbiger und Hans Holt einen von drei Handwerkern spielt, die den Lockungen des Teufels in Gestalt des bösen Geists Lumpacivagabundus widerstehen müssen. Der Deutschlehrer hätte hier noch angemerkt, dass der Film Lumpacivagabundus auf einem Drama des österreichischen Schriftstellers Johann Nestroy basiert, das wiederum von einer Novelle und teilweise auch von William Shakespeares “Ein Sommernachtstraum” inspiriert wurde. Aber lassen wir das – schließlich handelt es sich auch hier um keine Literaturverfilmung im klassischen Sinne.

Lumpacivagabundus_Poster mit Schatten

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/lumpacivagabundus-1936.html

 

Einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf ein klassisches Thema nimmt auch das von Percy Adlon inszenierte Drama Céleste ein, das auf einer wahren Geschichte basiert. Der erkrankte Schriftsteller Marcel Proust stellte 1914 Céleste Albaret als Dienerin ein, die schon bald für die Vollendung seines letzten großen Werkes “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” unentbehrlich wird. Vielleicht hat Prousts literarisches Schaffen Céleste Albaret dazu angeregt, ihre Begegnungen mit dem großen Autoren selbst niederzuschreiben.

Celeste_Plakat

Wer “Céleste” interessant findet und eine Literaturverfilmung im eigentlichen Sinne sehen möchte, sei Eine Liebe von Swann mit Jeremy Irons und Ornella Muti ans Herz gelegt. Ob Céleste Albaret Proust bereits bei diesem Roman zur Seite gestanden hat, wissen wir nicht. Sicher ist aber, dass “Eine Liebe von Swann” den ersten Teil von Prousts Hauptwerk “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” darstellt.

Auch moderne Literatur kommt in dieser Woche bei alleskino nicht zu kurz. Volker Schlöndorff verfilmte das Drama “Tod eines Handlungsreisenden” von Arthur Miller, das als Abgesang auf den amerikanischen Traum gilt. Der von Dustin Hoffman verkörperte Handlungsreisende Willy Loman kann bereits am Anfang der Handlung nicht mehr zwischen Realität und Halluzination unterscheiden, was ihn am Ende direkt in den Untergang führen wird. Dass Dustin Hoffmann hervorragend Figuren verkörpern kann, die einen Hang zu überbordender Fantasie haben, konnte er auch 2006 in Das Parfum beweisen – übrigens ebenfalls eine Literaturverfilmung.

TodEinesHandlungsreisenden_Poster

https://www.alleskino.de/tod-eines-handlungsreisenden-1985.html

 

In Die zwei Leben des Daniel Shore geht es ebenfalls um einen Protagonisten, der nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Nachdem er mit ansehen musste, wie in Marokko der Sohn seiner Freundin ermordet wurde, vermischen sich für den von Nikolai Kinski verkörperten Daniel Shore zunehmend die zwei Leben, die er führt: das tatsächliche Leben und das Leben, das sich nur in seinem Kopf abspielt…

Die-zwei-Leben-Poster

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/die-zwei-leben-des-daniel-shore-2009.html

 

Zum Abschluss möchte alleskino dem französisch-polnischen Regisseur Roman Polanski zum 80. Geburtstag gratulieren, der immer wieder auch mit Literaturverfilmungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Inhalt des Filmes Roman Polanski – A film memoir ist jedoch mehr der Regisseur Roman Polanski und seine Art und Weise, sich mit Filmen auseinander zu setzen.

Roman Polanski A Film Memoir - Poster

 

Neuheiten der Woche auf alleskino: von “Free Rainer” bis zu “This is love”

Diese Woche nimmt alleskino die Medien und gesellschaftliche Probleme in den Fokus. Den Beginn macht die Mediensatire Free Rainer mit Moritz Bleibtreu als TV-Produzent Rainer, der mit seichten Unterhaltungsshows Erfolge beim Publikum feiert. Als Rainer eines Tages von einer jungen Frau vorsätzlich angefahren wird, beschließt er, mal eben schnell die deutsche Fernsehlandschaft zu revolutionieren…

FreeRainer_poster

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/free-rainer-2007.html

Während sich “Free Rainer” kritisch mit dem Medium Fernsehen beschäftigt, setzt sich Das traurige Leben der Gloria S. mit dem Medium Film auseinander. Die Regisseurin Charlotte (Nina Kronjäger) befindet sich in einer Sinnkrise und beschließt, endlich einen Film zu drehen, der die wirklich wichtigen Probleme der Gesellschaft behandelt. Als Thema sucht sie sich alleinerziehende Mütter und ihre prekäre Lebenssituation aus. Als die erfolglose Schauspielerin Gloria beim Casting vorspricht, scheint die ideale Besetzung gefunden. Was Charlotte nicht weiß: Gloria hat sich ihre traurige Lebensgeschichte nur ausgedacht…

das-traurige-leben-der-gloria-s-poster

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/das-traurige-leben-der-gloria-s-2011.html

Ernstere Töne schlägt hingegen Die Fälschung an. Volker Schlöndorff inszenierte das Drama um den deutschen Journalisten Georg Laschen (Bruno Ganz), der in den Libanon fährt, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten. Als er die deutsche, im Libanon lebende Arianna (Hanna Schygulla) kennenlernt, ändert sich nicht nur sein Blick auf den Libanon grundlegend, sondern auch sein Verhältnis zu dem Medium Zeitung.

faelschung_poster

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/die-faelschung-1981.html

Als gesellschaftskritisch könnte man auch den Film This is love bezeichnen. Corinna Harfouch spielt darin eine Kommissarin, die eines Tages einen Mann namens Chris verhört. Er hat in Thailand ein Mädchen vor der Prostitution gerettet und mit nach Deutschland gebracht – angeblich, um Adoptiveltern für sie zu finden. Nun ist das Mädchen spurlos verschwunden, und Chris schweigt dazu beharrlich…

Während Corinna Harfouch in “This is love” eine starke moderne Frau verkörpert, kann man Rosa Luxemburg als eine der ersten Frauenrechtlerinnen bezeichnen. In Margarethe von Trottas Film Rosa Luxemburg spielt Barbara Sukowa die Hauptrolle. Barbara Sukowa wurde für ihre hervorragende Darstellung bei den Filmfestspielen von Cannes und beim Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

RosaLuxenburg

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/rosa-luxemburg-1986.html

Neben kritischen Filmen bietet alleskino diese Woche aber auch gleich zwei Filme für Karl-May-Fans an, nämlich Die Sklavenkarawane und Durch die Wüste. Die Liebe zwischen Robert und Clara Schumann ist das Thema des Films Geliebte Clara mit Martina Gedeck in der Hauptrolle. Außerdem ist die Komödie Vatertage neu erschienen, die mit der bayrischen Kabarettistin Monika Gruber, München-Flair und einem ebenso chaotischen wie liebenswürdigen Rikschafahrer überzeugt.

 

 Vatertage_Plakat Die-SklavenkaravanePoster durch die wüste poster

Neuheiten der Woche auf alleskino: von Heinz Rühmann bis zum Urban Exploring

Diese Woche gibt es wieder zahlreiche Film-Neuheiten bei alleskino. Neben Ausflügen in Karl-May-Western und ins Horror- und Thrillergenre liegt der Fokus auf Werken, die wichtig für die deutsche (Film-)Geschichte sind.

Den Anfang macht dabei die Verfilmung von “Der brave Soldat Schwejk” von 1960. Heinz Rühmann schlüpft in die Rolle des ebenso naiven wie hintersinnigen Schwejk, der unversehens mitten in den Ersten Weltkrieg hineingerät und dem Krieg auf unglaubliche Weise ungeschoren davonkommt.

der-brave-soldat-schwejk-poster

 https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/der-brave-soldat-schwejk-1960.html

Der brave Soldat Schwejk ist zwar ein Film der alten Schule, dennoch würden ihn sich die Damen und Herren von “Bellaria” eher nicht ansehen. Die 2001 gedrehte Dokumentation von Douglas Wolfsperger widmet sich einer Gruppe von Senioren, die sich regelmäßig in einem alten Wiener Programmkino treffen. Von der grell geschminkten Baroness über die Witwe, die sich die Kinokarte vom Mund abspart bis hin zum ehemaligen Travestiekünstler ist alles vertreten. Als kleines “Schmankerl” gibt es den Trailer zu Bellaria auf unserer Facebook-Seite:

Die Großeltern der hier gezeigten Senioren dürften sich glücklich geschätzt haben, waren sie doch Zeitzeugen eines historischen Ereignisses. Im Jahre 1874 führte nämlich Konrad Koch den Fußball in Deutschland ein. Daniel Brühl spielt den engagierten, jungen Englischlehrer Konrad Koch in “Der ganz große Traum”, der sich mit seinen neuen Ideen schon bald Feinde macht:

poster

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/der-ganz-grosse-traum-2011.html

Ungefähr hundert Jahre später begann für einen der berühmtesten deutschen Regisseure seine Blütezeit. Noch vor seinem größten Erfolg “Die Blechtrommel” drehte Volker Schlöndorff 1972 den Film “Strohfeuer” mit seiner damaligen Ehefrau Margarethe von Trotta in der Hauptrolle. Der Film erzählt, ganz im Geist der damaligen Zeit, von einer jungen Frau, die nach der Scheidung von ihrem Mann einen Neuanfang als selbständige Frau wagt und sich dabei mit den Schwierigkeiten einer Gesellschaft im Umbruch konfrontiert sieht. Mehr Infos zu “Strohfeuer” gibt es hier: https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/strohfeuer-1972.html

Margarethe von Trotta stand jedoch nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Während sie 1971 noch mit Schlöndorff zusammen das Drehbuch zu “Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach” entwarf, feierte sie zehn Jahre später mit “Die bleierne Zeit” ihren bisher größten Erfolg. Das Drama, das von der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin und ihrer Schwester inspiriert ist, wurde bei den Filmfestspielen von Venedig und beim Deutschen Filmpreis prämiert.

Neben der RAF ist auch die DDR und ihre ganz persönlichen Schicksale ein Thema in dieser Woche. So ist der Film “Spur der Steine” auf einer DDR-Großbaustelle angesiedelt. Der Vorarbeiter Hans Balla, gespielt von Manfred Krug, steht der Bürokratie der Planwirtschaft skeptisch gegenüber. Eines Tages kommen ein SED-Parteisekretär und eine Ingenieurin an die Großbaustelle und eine Dreiecksgeschichte zwischen dem Vorarbeiter, dem SED-Mann und der Ingenieurin entspinnt sich:

spur_der_steine_poster

https://www.alleskino.de/filme/spielfilme/spur-der-steine-1966.html

Weitere Filme, die ab dieser Woche online verfügbar sind:

silberner löwe plakat DieVerrohungDesFranzBlum_Plakaturban-explorer-poster